The Revolution will not be televised

Habe heute im Tages-Anzeiger den Artikel* «Klingeltöne: Warum sind die Menschen verrückt nach den Klängen aus dem Handy?» bzw. «Schaut, was für mich spricht!» von Christian Kortman, Autor des Buchs Urban Safari, gelesen und mich geärgert.

Hier einige Zitate:

Man muss nur beobachten, wie alleine wartende Menschen mit dem Herumdrücken auf der Tastatur ihre Angst, einsam zu wirken, überspielen.

[…] Der Humor dieser Töne [Zusatz Tagi im Vgl. mit der Fassung der Süddeutschen] mildert den Sinnarmutsmakel des Mobiltelefons ab, macht das Handy vollends zu dem ironischen Gerät, das es im Grunde ist: Jeder ist überall erreichbar, und noch nicht einmal der Notarzt müsste es sein.

[…] Hier eröffnet sich die neuartige Chance, sich verbal bemerkbar zu machen, ohne den Mund zu öffnen; schlagfertig zu sein ohne Rhetorikkurs: Die Sehnsucht des Menschen nach Souveränität im Umgang mit der Welt wird stellvertretend von seinem Gadget erfüllt.

Natürlich finde auch ich den Klingeltonmarkt teilweise problematisch, aber mit so einer arroganten Sichtweise kommt man dem Phänomen nun gar nicht auf die Spur. Zudem scheint in dieser Art (diesem Genre?) Artikel immer gleichzeitig Kulturpessimismus und Faszination der Umsatzzahlen auf.

Kurz und gut, das Ganze ist für mich wieder mal Meinungsjournalismus pur: man hat ’ne vorgefasste Meinung, bevor man sich wirklich mit dem Gegenstand eingehender befasst hat. Leider ist diese Haltung weit verbreitet und wird von den gängigen Medien gerne kolportiert, sitzen doch dort auch häufig Leute, die es eigentlich müde sind den enormen Umwälzungen unserer Zeit auf Schritt und Tritt zu folgen.

Dabei täte genaueres Hinsehen gut. Steigende Umsatzzahlen als Denkhilfen sind eigentlich blöd, aber sie scheinen heutzutage das Einzige zu sein, was auch den über 30jährigen Westeuropäer („muss einmal sein“) überzeugt, seine „Weltanschauung“ vielleicht ein klein wenig der Realität anzupassen.

Hier weiterlesen!
oder auch in anderer Weise
Andreas Göldi über Beat Kappelers Rington-Artikel

* Der heutige Artikel ist beim Tages-Anzeiger nicht online greifbar. Derselbe Artikel erschien bereits in der Frankfurter Rundschau sowie in der Süddeutschen am 24. Februar, wie eine kurze Google-Suche zeigt. Der Artikel ist übrigens in der Süddeutschen online zugänglich. Die Tages-Anzeiger-Version erhielt geringfügige, aber „bedeutungsschwangere“ Retouchen (siehe Zitate).

PS: Bisherige (alternative?) Titel dieses Beitrags:

  • Klingeltöne und die unerträgliche Borniertheit des Mainstream-Journalisten
  • Klingeltöne und die unerträgliche Borniertheit des kulturpessimistischen Journalismus
  • Klingeltöne und der «klug, ernst und lustig zugleich»-Journalismus
  • Klingeltöne und das «default»-Denken
  • Klingeltöne und Meinungsjournalismus
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Ein Gedanke zu „The Revolution will not be televised

  1. abicell.com

    Wir haben ber 50’000 Klingeltne, Realtones, MP3, ACC, Namenstne und viels mehr zum Download frs Handybereit. Die Leute mchten einfach immer mehr und immer die neusten Tne haben. WAP hat sich mittlerweile als Standart fr die Lieferung durchgesetzt. Es muss im Handy nur eine WAP URL wie z.B. http://wap.abicell.com eingegeben werden und schon gehts los und man ist vor lstigen Abos sicher.

    Antwort

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