MA Leader 2005 Report

Ich habe ja bereits auf MA Leader 2005, eine Studie über die Entscheidungskompetenzen und das Medien- und Konsumverhalten der Schweizer Führungskräfte, bezüglich des Vortrags „Leadership und Medien: wer führt wen?“ von Beat Kappeler hingewiesen.

Print und Internet

Das Interessanteste vorweg. Die Werbe- und die Printbranche gab sich hier noch ziemlich gelassen bezüglich Internetkonkurrenz, was eigentlich erstaunt, vor allem wenn man die Unruhe der deutschsprachigen Medienunternehmen kennt und man zudem kürzlich Andreas Göldi’s Beitrag: Mehr zum Thema „Schöne neue Werbewelt“ gelesen hat.

Wenn ich Harald Amschler, Forschungsleiter WEMF, wäre, würde ich doch die veröffentlichten Zahlen etwas anders intepretieren. Also kurz zu den Zahlen – hier hat mich vor allem das Verhältnis Print-Internet interessiert:

Bei den Informationen über aktuelle Ereignisse, werden 2005 folgende Medien prozentual folgendermassen von Leadern genutzt:
46% Zeitungen
28% Internet
13% Fernsehen
7% Radio

Bei den Kommentaren/Analysen zu aktuellen Themen sieht es so aus:
55% Zeitungen/Fachzeitschriften
33% Internet

Interessant für mich daran ist, dass das Internet heute klar an zweiter Stelle steht – auch für die Leader, wo die Altersgruppe 40-49 dominiert. Dabei darf man auch nie vergessen, dass diese Medienrevolution innerhalb von nur 9 Jahren stattgefunden hat; in der MA Leader 1996 tauchte das Internet noch kaum auf.

Für die nächsten 9 Jahre wage ich deshalb mit gutem Gewissen die Prognose: Mobile – Internet – Print, wobei sich Mobile und Print (Stichwort: QR Code) gegenseitig stärker ergänzen werden, als das Internet und Print je tun könnten.

Erstaunlich ist auch, wie rasch ein Medium absteigen kann, in diesem Fall das Radio im Vergleich 1996, 2005. Beim MA Leader von 1996 war das Radio für die Leader noch ein wichtiges Medium, heute macht es gerade noch einmal 7% aus, Tendenz fallend.

Printmediennutzung der Leader

In welchem Printmedium würden Sie Ihre Werbung schalten, um die Schweizer Leader (88%) und Schweizer Leaderinnen (12%) am besten zu erreichen?

Meine subjektive Antwort angesichts der Zahlen: Wenn man in möglichst wenigen Zeitungen und Zeitschriften inserieren will, dann ist die Sonntagspresse aus den Häusern Tamedia und NZZ wohl die beste Wahl. Die Reichweite beträgt über 60%, Pickup (1,8) sowie Lesemenge sind vergleichbar und die Lesedauer toppt mit 47 Minuten die anderen Zeitungen und Zeitschriften bei weitem.

Auch noch interessant, Leader und Topleader haben ein sehr grosses Interesse an persönlicher Weiterbildung.

Beat Kappelers Auftritt

Neben den Ergebnissen der MA Leader 2005 durch Harald Amschler und Mirco Marrone, gabs natürlich noch Beat Kappelers Vortrag zu den Medien und Leadern. Souverän und unterhaltend präsentiert, gab der Vortrag – oder vielleicht auch das Thema – für mich weniger her, als erwartet.
Einige Stichworte trotzdem:
Die Personalisierung von Leadern wird wohl in Zukunft noch stärker zunehmen.
These 3: Medien haben leicht die Oberhand gegenüber den Leadern , da sie auf verschiedenen Märkten tätig sind: Meinungsmarkt (Berichterstattung nicht gleich der statistischen Normalität; Verstärkung durch andere Medien; Einfluss auf die Politik), Werbemarkt, Talentmarkt (Journalisten).
These 4: Die Übermacht der Medien gegenüber Leadern ist gering, da der Medienmarkt für andere und neue Medien offen bleibt (Technische Revolution durch Internet, Liberalisierung der Radio- und TV-Welt)…

PS 1: Als Leader gelten rund 4% der Schweizer Bevölkerung über 14 (d.h. 218’000 Personen in der Schweiz). Kriterien: mind. CHF 100’000 Jahressalär, Freiberufler, Kader oder Unternehmerinnen.

PS: Die Referate können ab 7. April auf www.wemf.ch heruntergeladen werden.

UPDATE (7.4.2005):
Vortrag Beat Kappeler: Leadership und Medien:wer führt wen? (PDF)
Carine Lins, Harald Amscher und Mirco Marrone: MA Leader 2005 (PDF)
Michael Walter: LAE Leseranalyse

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2 Gedanken zu „MA Leader 2005 Report

  1. Andreas Goeldi

    Dass die traditionellen Medienhäuser in der Schweiz den Impact des Internet systematisch unterschätzen, hat leider schon Tradition. Eigentlich erstaunlich, wenn man das allgemeine Wehklagen über sinkende Umsätze der letzten Jahre mitverfolgt hat. Für mich noch erstaunlicher ist, dass man offenbar kaum die fortgeschritteneren Märkte wie USA und Deutschland beobachtet und daraus rechtzeitig Schlüsse zieht.

    Die WEMF wird aber als primär print-finanzierte Organisation da kaum eine Vorreiterrolle spielen. Es ist halt schwer, seinen Kunden zu sagen, dass sie noch weiter unter Druck kommen werden.

    Antwort
  2. Roger

    Für mich ist entscheidend, was die Medienhäuser daraus heute für Lehren ziehen.

    Natürlich sind viele gebrannte Kinder des ersten Internetbooms und ich verstehe deshalb durchaus eine gewisse Verhaltenheit, wenn man nun schon wieder die nächste – mobile – Welle anrollt oder soll ich sagen, der nächste Tsunami. Nur gibts nun immer mehr Kassandras, anscheinend sogar schon im BAKOM;) und es wäre vielleicht von Vorteil aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen.

    Antwort

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