Google Print und das Rauschen im Blätterwald

Ich habs zuerst als Kommentar bei Digithek gepostet, poste es aber auch noch einmal hier.

Gestern im Tagi, heute in der NZZ am Sonntag*: Skepsis zu Googles Vorhaben, alle Bücher zu digitalisieren. Einige Bemerkungen dazu:

1) Es ist wahr, dass das Buch zurzeit dem elektronischen Speichermedium bezüglich Haltbarkeit noch überlegen ist.

Das ist meiner Meinung nach aber historisch bedingt – das Buch gibts schon eine ganze Weile – und auch nicht ganz wahr. Man vergisst leicht, dass heute z.B. kaum mehr jemand Fraktur lesen kann und dass deshalb auch Bücher immer wieder neu gedruckt werden müssen. Weiter bemerkt man meistens beim Digitalisieren erst, was und wie mans hat (da kann die NZZ ein Lied von singen).

Zweitens haben wir noch kein universales elektronisches Format (ausser vielleicht XHTML) gefunden, dass von allen gelesen werden kann. Es gibt aber zahlreiche Bestrebungen, dies zu ändern (Open Office, XML, XHTML). Hier kann man also nur sagen: so rasch wie möglich brauchen wir einen offenen, langfristig gedachten Standard für alle.

Drittens ist der Platz, den Bücher einnehmen einfach gewaltig. Da die Bücherproduktion ja nicht abnimmt, sondern im Gegenteil sogar exponentiell zunimmt, und heute Kopien automatisch an die Bibliotheken gehen, wird das physisch vorhandene Buch kurz- bis mittelfristig ein Archivierungsproblem und noch vielmehr ein Platzproblem kriegen.

2) Wäre es so, dass Digitalisieren schick ist und dafür viel Gelder zur Verfügung stehen, bräuchte es wohl kaum Google, um die Bibliotheken auf Kosten des Silicon Valley Unternehmens zu digitalisieren.

3) Die Digitalisierung erlaubt es uns überhaupt, gewisse Texte einer breiten Allgemeinheit zugänglich zu machen. Gerade wenn Bibliotheken öffentlich finanziert sind, sollte es eigentlich Pflicht sein, dass die Werke auch einfach zugänglich sind – und das nicht nur für die Städter, die gerade neben der ZB wohnen.

* Schwerpunkt des NZZ-Artikels ist Nicholas Bakers Double Fold : Libraries and the Assault on Paper ; eine Rezension von Lothar Baier findet man in der WOZ von 2001.

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Ein Gedanke zu „Google Print und das Rauschen im Blätterwald

  1. Patrice

    Der grösste Nachteil von Büchern ist die Verfügbarkeit. In meiner Wikipedia-Benutzerseite gibt es einen Abschnitt mit gesuchten Büchern. Für die habe ich schon einige Brockenhäuser und Buchhändler aufgesucht. Sogar so ein neues Buch wie „Die Schweizer Bundesräte – ein biographisches Lexikon“ von 1991 finde ich nicht…

    Ich hoffe ganz ehrlich, dass Digitalisierung die Verfügbarkeit und dadurch auch die Haltbarkeit von Büchern entscheidend verbessert. Wäre zum Beispiel mal interessant rauszufinden wie viele der Gutenberg Bücher (17’000 nach eigenen Angaben) man im Buchhandel noch problemlos bestellen kann.

    Antwort

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