200 Jahre John Stuart Mill – Gerechtigkeit, Liberalismus, Exzentrik und Leidenschaft

Sehr zu empfehlen: Lob des Exzentrikers von Jean-Claude Wolf. Noch besser ist wohl John Stuart Mill im Original zu lesen.

PS: Wieder mal etwas viel zitiert hier. Aber schon Brecht hat auf einen chinesischen Philosophen verwiesen, der meinte: das Zitat sei nicht minder zu bewerten als das Selbstgeschriebene. Wie Stefan sagt, die Asiaten haben uns manchmal auch etwas voraus.

Hier einige Appetitanreger:

Gerechtigkeit

Mills Kapitel zur Gerechtigkeit ist ein Lehrstück über die Vielfalt von Gerechtigkeitsauffassungen in den Ideen der gleichen Verteilung, der Erfüllung von Bedürfnissen, der Belohnung von Verdiensten sowie im Respekt vor den individuellen Rechten. Diese heterogenen Dimensionen der Gerechtigkeit sollten, so Mill, in der gleichen Rücksicht auf das Glück aller systematisch vereinheitlicht werden.

Liberalismus

Mills Liberalismus ist unter anderem eine Theorie der Begrenzung legitimer Sanktionen. Staatliche Sanktionen sollten begrenzt werden durch das Prinzip der Verhütung der Schädigung anderer, das «harm principle». Obwohl Mill dieses Prinzip als «sehr einfach» charakterisiert, verfeinert er dessen Formulierung in mancher Hinsicht und konfrontiert es mit zahlreichen Anwendungsfragen.

Mill erläutert, warum nicht alle Interessen anderer berücksichtigt werden müssen; es gibt nichtvitale Interessen anderer, die sehr oft verletzt werden dürfen und müssen, zum Beispiel das Interesse, nicht von anderen Weltanschauungen verwirrt oder provoziert zu werden.

Exzentrik und Leidenschaft

Wichtiger noch: Zwang und Gesetze sind auch nicht dadurch legitim, dass sie die weltanschaulichen Überzeugungen der Mehrheit gegen Minderheiten durchsetzen. Tocquevilles Stichwort «Tyrannei der Mehrheit» wird von Mill dazu benutzt, subtilere Zwänge der Mehrheitskultur zu benennen und durch die Empfehlung kühner und nonkonformistischer «Lebensexperimente» zu korrigieren. Mill geht so weit, die exzentrischen und starken Leidenschaften Einzelner als «Salz der Gesellschaft» zu preisen. Mit dieser Emphase vertritt Mill ähnlich wie Herbert Spencer ein «anarchisches» Element, das dazu geeignet ist, die Autorität des Staates und den Druck der Konventionen zu relativieren.

Stuart Mill’s Reflexion über Meinungsfreiheit lässt sich auch gut auf den Fall Une voix pour la Boillat übertragen. Auf die anderen Preisträger der goldenen Maus komme ich noch zurück.

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Ein Gedanke zu „200 Jahre John Stuart Mill – Gerechtigkeit, Liberalismus, Exzentrik und Leidenschaft

  1. Stefan wehmeier

    Sechs Gleichungen mit neun Unbekannten:

    (001) Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

    (044) Jesus sagte: Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.

    (055) Jesus sagte: Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine Brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.

    (105) Jesus sagte: Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.

    (106) Jesus sagte: Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: „Berg, hebe dich hinweg!“, wird er verschwinden.

    (113) Seine Jünger sagten zu ihm: „Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?“ Jesus sagte: „Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: „Siehe hier oder siehe dort“, sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“ ***

    Sinnvolle Lösung:

    Mutter = Summe aller Ersparnisse
    Hure = Finanzkapital
    Brüder und Schwestern = Sachkapitalien
    Berg = Rentabilitätshürde
    Tod = Liquiditätsfalle
    Vater = Kreditangebot
    Sohn = Kreditnachfrage
    heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld
    Königreich = Natürliche Wirtschaftsordnung

    Selbst wenn wir uns nur auf die obigen sechs Gleichnisse aus dem Thomas-Evangelium beschränken – gibt es noch eine andere Möglichkeit, diese sinnvoll zu interpretieren? Und wie hoch ist die Restwahrscheinlichkeit für eine andere Interpretation, wenn 10, 20, 50, 100 Gleichnisse auf die gleiche Art einen Sinn ergeben?

    Wenn wir diese eine sinnvolle Interpretation als richtig ansehen, war der Prophet Jesus von Nazareth das größte Genie aller Zeiten, und er entdeckte tatsächlich die einzig denkbare Möglichkeit, wie Menschen wirklich zivilisiert zusammenleben können: das Grundprinzip der absoluten Gerechtigkeit als Basis für die ideale Gesellschaft.

    Wäre Jesus dagegen nur der moralisierende Wanderprediger gewesen, zu dem ihn die „heilige katholische Kirche“ machte, wüssten wir heute nicht einmal, dass es jemals einen Propheten dieses Namens gegeben hat! Denn die „Moral“ ist eine irrelevante Größe: solange es möglich ist, einen unverdienten Knappheitsgewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) zu erzielen, weil eine fehlerhafte Geld- und Bodenordnung die Gesellschaft zwangsläufig in Zinsgewinner und Zinsverlierer unterteilt, wäre selbst dann, wenn alle Menschen grundehrlich und auch noch hyperintelligent wären, der nächste Krieg – zwecks umfassender Sachkapitalzerstörung – unvermeidlich. Andererseits: sind – durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung und ein allgemeines Bodennutzungsrecht – leistungslose Kapitaleinkommen eigendynamisch auf Null geregelt, bedeutet es prinzipiell das Beste für alle, wenn jeder Einzelne nur das Beste für sich anstrebt. Der Moralbegriff löst sich auf.

    Der Krieg konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    *** „Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat.“

    Silvio Gesell, Herbst 1918, Vorwort zur 3. Auflage der NWO

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