Archiv der Kategorie: Politik

Drei Grabenkämpfe

Thomas Kesselrings Buchbesprechung „Gerechtigkeit mit begrenzten Ressourcen“ in der NZZ vom Samstag 3. September 2005, S. 89

Ein erster Graben trennt die entwicklungspolitischen Lager in Nord und Süd, anders gesagt, in die Reichtums- und die Armutsregionen der Erde, wobei das Lager der Reichen in den letzten zwei Jahrzehnten aus den Schwellenländern Zuwachs von gut 800 Millionen Menschen erhalten hat und als „transnationale Verbraucherklasse“ nun ein Viertel der Menschheit umfasst.

Ein zweiter, geostrategischer Graben verläuft zwischen dem Unilateralismus der USA, welche die Ratifikation vieler Uno-Abkommen, einschliesslich des Kyoto-Protokolls, verweigern, und dem Multilateralismus der EU und vieler anderer Akteure.

Ein dritter Graben, juristischer Art, teilt die Anhänger des Multilateralismus in zwei Gruppen: Die eine orientiert sich an den Zielen der Uno, die auf soziale, menschenrechtspolitische und ökologische Fortschritte setzt, die andere schwört auf das Programm der Welthandelsorganisation (WTO): Wirtschaftsförderung, Beseitigung von Handelsschranken und gleicher Marktzugang für alle.

Siehe auch:
Fair Future, Ein Report des Wuppertal Instituts. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit

sowie

Welche Globalisierung ist zukunftsfähig?

Das Wuppertal Institut möchte anhand dieser Frage Beiträge zur wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte über Gründe, Verlaufsformen und Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung vorlegen. Mit dieser Webseite bieten wir entlang fünf thematischer Stränge einführende Texte in die Problematik an sowie Literaturtips, Links zu anderen Webseiten und eigene Publikationen. Gleichzeitig stellen wir unser Leitprojekt zu Globalisierung und Nachhaltigkeit vor. Dieses Projekt hat zum Ziel, eine zukunftsfähige Gestaltung der Globalisierung mithilfe von Szenarien, Leitideen und Umsetzungskonzepten greifbar zu machen. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf der ökologischen Dimension von Globalisierung, da sie in der Debatte bislang eine überraschend geringe Rolle gespielt hat.

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one earth, one internet?

I like the word internet even if it’s worn-out. It’s not the net, it’s the inter-net and it still sounds for me like inter-dependent.

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Joi said:

Lets fight to keep the Internet and not let it turn into the internets… It is a difficult process with various flaws, but if we give up, it will be very difficult if not impossible for all of us to talk again very soon.

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Joi who thinks global since his youth, fears that some countries prefer to do things again for themselves. For sure there are a lot of tendencies in this direction.
The „chacun pour soi“ is again en vogue: criticism to globalization is firing back, but certainly not always as intended by its first critics.

It will be tough cauz‘ glocalisation is highly unpredictable. Even if – in the end – Sloterdijk will prove right.

A lot of countries knew long periods of unrest and chaos during their history and I hope that this glocalisation period will not become one of them. So yes, I also think, it’s absolutely necessary that it remains one internet – even if it should be possible to map an www address written in kanji to a romanized one ;).

Welchen Einfluss hat das Nein der Franzosen auf den 5. Juni?

Die Franzosen haben Nein gesagt (erste Hochrechnungen sagen mit 54.5%). Welche Wirkung hat das wohl auf die Schengen/Dublin Abstimmung in der Schweiz?

Sagt man sich nun, die Franzosen sind ja gar nicht so anders als wir, d.h. man muss also doch nicht so Angst vor Schengen/Dublin bzw. der EU haben, – was somit das Ja bei den Unentschiedenen obsiegen lassen würde.
Oder wird damit das Nein-Lager bestärkt – da die EU sogar bei den Gründern in Frage gestellt wird.

PS: Wie man sieht, habe ich da jetzt Schengen/Dublin und EU vermischt, was natürlich nicht gemacht werden darf, da die Schweiz ja den bilateralen Weg eingeschlagen hat 😉
PS 2: Auch in Frankreich ist eine europäische Abstimmung immer auch zuerst eine Abstimmung, die das innenpolitische Klima des Landes wiederspiegelt.

Siehe auch:
France says ’no‘ to EU constitution, plunging Europe into crisis (AFP)

Zum Lernen verurteilt

Da die Phase der Globalisierungskritik irgendwann überwunden sein wird, kann man von einer Kinderkrankheit sprechen. Dieser Begriff zeigt übrigens eine erbauliche Perspektive auf: Einerseits weist er auf eine unvermeidliche, legitime Reaktion auf eine unvermeidliche Irritation hin, andererseits ordnet er sie in eine Biografie ein. Wie unser Immunsystem zum Lernen durch die Umwelt verdammt ist, so ist auch unser Denken zum Lernen durch das Reale verurteilt. Das ist Evolution. Man kann nur vorwärts, nicht rückwärts leben.

(Sloterdijk im Tagi von heute)

Résonances oder auf zur nächsten Etappe in der Pro Helvetia Debatte

Er sprach zu viel Schockierendes aus, zu viele Bosheiten, erwarb mit sakrilegischen Einfällen eine zu grosse Berühmtheit, um nicht mächtige Feinde zu haben. Banker und Waffenproduzenten pflegen gemeinhin hohe Moralvorstellungen und mögen es nicht, wenn ihr persönlicher oder der nationale Ruf angetastet wird. Und sie haben für Nestbeschmutzer nicht viel übrig.

Aus der gestrigen NZZ, Literatur und Kunst

Es nähme mich Wunder, ob diese Person durch Pro Helvetia gefördert wurde, was die Mehrheit des Ständerats zu dieser Person gesagt hätte und was sie heute dazu sagt?

Im Weiteren scheint Hirschhorn nun nicht mehr wichtig zu sein, vielmehr steht jetzt Yvette Jaggi (so bei Felix E. Müller, NZZ am Sonntag) oder vielleicht auch die ganze Pro Helvetia (so bei Max Frenkel, NZZ am Sonntag) zur Debatte.

Heute nachmittag, 16 Uhr 30, lädt übrigens das Luzernertheater zum Gespräch ein:
Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit
Podiumsdiskussion zur Budgetkürzung der Pro Helvetia anlässlich der Hirschhorn-Debatte